|
10.06.1863, 15:00 Uhr, FREIHEITSBRAND (KIRCHENCHRONIK entnommen) (während des Begräbnisses eines Kindes) FEUER-ALARM Im Hause des Handarbeiters Friedrich Schwarze, Haus Nr. 157, auf der unteren Freiheit. Zwei kleine Kinder hatten mit Streichhölzern gespielt. Die meisten Einwohner waren auf den Feldern oder im Wald, bei der Arbeit. Es waren Anfangs wenig Leute am Brandherd. Die Hausbewohner hatten Mühe und Not, ihre paar Habseligkeiten zu retten. Das Feuer griff auf Grund der langen Fronteinheit schnell von einem Haus zum anderen über. Da alle Häuser mitt Stroh gedeckt waren, hatten die Feuerwehrleute wenig Chancen das Feuer in diesem Stadium unter Kontrolle zu bekommen. Innerhalb von zwei Stunden brannte die halbe untere Freiheit. So kam es, daß viele Leute wenig von ihrem Hab und Gut retten konnten. Es war ein großes Bestürzen, Jammern und Wehklagen unter den Einwohnern. Es gab herzergreifende Auftritte. Die von der Arbeit heimkehrenden Arbeiter standen vor ihrem brennenden Haus, oder vor den schon abgebrannten Trümmern. Die aus Nachbar-Dörfern herbei gerufenen Spritzen und Mannschaften konnten nur verhindern, das nicht auch noch die obere Freiheit von den Flammen erfasst wurde. Zahlreich lagerten die Betroffenen Einwohner vor ihren abgebrannten Häusern und Stallungen und kampierten im Freien. So hatten sie nur noch wenige Habseligkeiten. Menschenleben waren, Gott sei Dank, nicht zu beklagen. Einiges an Vieh war in den Flammen ums Leben gekommen und 37 Gebäude waren zerstört. Mehrere Ackerhhöfe, die Försterwohnung und die Bergschänke lagen in Schutt und Asche. Die Brandstätte war ein rauchender Trümmerhaufen, welcher noch tagelang qualmte. Gespenstisch ragten die halbkohlenden Hölzer gen Himmel. In den Tagen danach kamen viele Schaulustige aus den Nachbar-Dörfern um sich die Stätte der Verwüstung anzuschauen. Auch seine Durchlaucht Graf zu Stolberg-Stolberg erschien nebst dem Erbgrafen Wolfgang zu Holburg-Stolberg, um sich ein Bild der Verwüstung zu machen. Aus allen umliegenden Dörfern trafen Sammlungen und Spenden von Heu, Stroh, Getreide, Kartoffeln, Brot und Kost, Kleider und Geld, zur Unterstützung der Abgebrannten, ein. Es war ein erhebendes Gefühl von allen Seiten unterstützt zu werden. Am folgenden Sonntag wurde ein Gebets-und-Dankes-Gottesdienst abgehalten. Zur Unterstützung der armen Abgebrannten bildete sich ein Komitee, bestehend aus dem Harzer Regierungsrat, Stolzmann aus Stolberg, Pl. Wilerie, Burgdirektor Pauzen aus Harzgerode, Obersteiger Bergschilz aus Harzgerode, Kronberg und den Gerichtsschoppen Damann und Ungefroren. Dieses Komitee erliess einen Aufruf zur Unterstützung der heimlos gewordenen Einwohner. Dieser Aufruf wurde in allen größeren Zeitungen abgeruckt. Es wurde auf diese Weise erreicht, daß Beiträge aus fast allen Gegenden Deutschlands eintrafen. Die höchsten Beträge entrichteten Ihre Hoheit Frau Herzogin von Anhalt-Bernburg (100 Taler in Gold), seine Durchlaucht der regierende Graf von Stolberg-Stolberg (150 Taler in Gold) und seine Gemahlin (50 Taler in Gold). Im Ganzen sind an Unterstützungsgeldern eingetroffen: 2693 Taler in Gold, 14 Reichsmark, 3 Groschen Allen Gemeinden ein herzliches Dankeschön! Um für die Zunkunft die Ausbreitung eines Feuers zu verhindern, wurde einezweite Spritze ageschafft. Preis: 750 Taler 200 Taler durch die Feuerversicherung 10 Taler Feuerversicherungsgesellschaft 10 Taler private Spenden den Rest musste die Gemeinde tragen
|